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Streiflicht – Offene Gedanken zum Reinheitsgebot und Craft

Ehrlich gesagt bin ich manchmal gewillt zu sagen, dass ich den Begriff „Craft“ nicht mehr hören kann, wenn mich mal wieder jemand frägt was das denn eigentlich bedeutet.

Alleine schon die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen im Bierland Deutschland diese Frage stellen, kann kurzzeitig emotionalen Brechreiz hervorrufen - vor allem in Anbetracht unserer nahezu paradiesischen Lebensumstände, was die Qualität der deutschen Biere betrifft.

Das Problem ist nun bisweilen, dass es sehr schwer ist einen Begriff zu erklären, der als solches gar nicht zu definieren, sondern eigentlich nur zu übersetzen ist und somit im Zuge der Übersetzung grundsätzlich selbsterklärend sein sollte.

Betrachtet man nun dies im wörtlichen Sinne so stellt man sehr schnell fest, dass „craft“ oder „crafted“ für handwerklich hergestellt steht und dies hoffentlich noch mit grosser Fertig- und Geschicklichkeit.

Das Schöne daran ist nun, dass unsere Brauereien in Deutschland genau das seit Jahrhunderten tun! Grundlage hierfür ist ein (duales) Bildungssystem bei dem von der Lehre bis zum promovierten Brauer sorgsamst auf eine solide und wissenschaftlich fundierte Ausbildung geachtet wird, um die Qualität eines ohne Frage emotional behafteten deutschen Kulturgutes zu schützen und weiterzuentwickeln.

Als „Rückgrat“ dieses Qualitätsanspruches könnte man nun das Reinheitsgebot interpretieren, was es gefühlt in den Augen vieler Brauer auch ist auch ist. Dieses Gefühl wird nur leider nicht gestärkt in einer Diskussion, in der bisweilen das Thema „Craft“ als „Qualitätskriterium“ in der Wahrnehmung der Verbraucher über das Reinheitsgebot katapultiert wird.

Unser Berufstand sollte sich die Frage stellen, wo die Gründe für diese Werteverschiebung liegen könnten und welche Möglichkeiten wir haben aus dem Erfolg der amerikanischen „Craftbeer“-Szene zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen ohne uns Plagiatsvorwürfen auszusetzen.

Nebenbei bemerkt riecht der Begriff „Craft“ schon sehr nach einer „billigen“ Kopie des soliden deutschen Handwerks.

Ihr Dr. Fritz Briem